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28. Januar 2026

Impfen in der Apotheke: Alamannen-Apotheke, 71088 Holzgerlingen

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Impfen in der Apotheke: Alamannen-Apotheke, 71088 Holzgerlingen

Dr. Björn Schittenhelm ist Apotheker in Deutschland. In seiner Apotheke in Holzgerlingen in der Nähe von Stuttgart wird bereits in der dritten Saison geimpft. Mehrere tausend Immunisierungen wurden von ihm und seinen Apotheker:innen bisher verabreicht. Probleme? Fehlanzeige. Die Bevölkerung nimmt das Angebot gerne an und sogar die Ärzteschaft ist mittlerweile im stillen Konsens. Das Porträt einer Erfolgsgeschichte.

Vom Pionier zum Vorbild: Schittenhelms Weg zur Impfkompetenz

Schittenhelm ist einer der Vorzeigeapotheker Deutschlands, die Impfen in der Apotheke im großen Stil durchführen. Dafür hat er mittlerweile auch mehrere Auszeichnungen erhalten. Sein Credo: Apothekerin und Apotheker sind prädestiniert für das Impfen, weil sie die bestmögliche Ausbildung haben. „Wir hatten anfangs viel Gegenwind von den Ärzten, mit dem Argument, dass Apotheken nicht ausreichend qualifiziert sind“, so Schittenhelm. Mittlerweile hat sich das Bild aber geändert.

Die Entscheidung, dass Apotheker:innen in Deutschland impfen dürfen, kam in einer ziemlichen Hau-Ruck-Aktion im Sommer 2022. Anders als in Österreich, standen zu diesem Zeitpunkt kaum entsprechend ausgebildete Pharmazeut:innen zur Verfügung. Schittenhelm, der auch standespolitisch sehr aktiv ist, war damals federführend am „Impfausbildungsmarathon“ beteiligt, bei dem an einem Wochenende im Bundesland Baden-Württemberg rund 1000 Apothekerinnen und Apotheker an die fachgerechte Handhabung der Spritze herangeführt wurden. In der Folge impfte man in den Impfzentren Schulter an Schulter mit den Ärztinnen und Ärzten.

Ein bisschen Überzeugungsarbeit musste Schittenhelm anfangs in der Kollegenschaft schon leisten, mittlerweile werden aber in seinem Landkreis (Anm: das Äquivalent zum österreichischen Bezirk) flächendeckend Impfungen in Apotheken angeboten – was das Politikerherz des Apothekers mit Stolz und Freude erfüllt. Die Kundenresonanz sei von Anfang an „sensationell“ gewesen, von Mediziner: innen kam aber der eine oder andere Widerstand. Das sei nun kein Thema mehr. „Es gibt mittlerweile Auswertungen, dass die Qualität der Beratung und der Impfung in der Apotheke mindestens so gut ist wie bei den Ärzten“, weiß Schittenhelm. Seit diese Daten veröffentlicht sind, sei die Diskussion im Keim erstickt. „Das Thema ´Können Apotheken impfen` war anfangs da“, so der Apotheker. „Mittlerweile führe ich diese Diskussion nicht mehr. Wir haben bewiesen, dass wir es können.“

Die Massenimpfungen sind mittlerweile Geschichte, in seiner Apotheke werden aber jedes Jahr nach wie vor mehrere hundert Dosen verabreicht. Aktuell ist den Apotheken in Deutschland nur die Immunisierung gegen Grippe und Covid19 zugestanden. Schittenhelm hofft auf eine baldige Ausweitung auf die anderen Totimpfstoffe, damit das Impfen zum Ganzjahresthema wird „und damit den Apotheken nochmals einen Boost versetzt“ – auch aus finanzieller Sicht, denn die Abgeltung des Impfens ist mit rund 12 Euro (inklusive allem Drum und Dran) eher bescheiden (und weniger, als die Ärzte bekommen). Wobei der Profi aus den aktuellen Optionen auch gewinnbringende Synergien zieht. Schittenhelm nutzt die praktisch deckungsgleichen Indikationen, um bei Interesse an einer Impfung die zweite gleich mitzuempfehlen. Doppelter Schutz für die Kund:innen, doppelte Abrechnung für die Apotheke – und ein Pluspunkt für die persönliche Aufklärung in der Apotheke.

Digitale Prozesse und praktische Tipps für den Apothekenalltag

Schittenhelm setzt außerdem auf digitale Unterstützung. „Die ganze Anamnese und Bürokratie haben wir durch ein gutes digitales Tool abgebildet, sodass wir in der Apotheke nur noch die Aufklärung und tatsächliche Impfung durchführen“, berichtet der Apotheker. Zur Erklärung: Vor dem

Versenken der Nadel in den Oberarm muss ein mehrseitiger Anamnesebogen ausgefüllt werden, was einen nicht unerheblichen Zeitaufwand bedeutet. Es darf auch nicht jeder geimpft werden: Apotheken-Impflinge müssen für COVID-19 mindestens zwölf, für die Grippeschutzimpfung mindestens 18 Jahre alt sein. Einige Apotheken zögern bei der Umsetzung aus Angst vor Komplikationen. Diese seien unbegründet. „Sowohl bei mir in der Apotheke als auch bei der Viertelmillion Impfungen, die ich im Impfzentrum mitorganisiert habe, gab es nicht eine wirklich problematische Situation“, beruhigt der Profi und hat auch eine Statistik zur Hand: „Man müsste in der Apotheke 1000 Jahre impfen, um einen schweren Zwischenfall zu erleben.“ Und letztendlich sind Apotheker und Apothekerinnen nicht nur für Notfallmaßnahmen ausgebildet, sondern haben alles Notwendige auch vorrätig. „Es ist das Thema, worüber wir nicht zu diskutieren brauchen“, sagt der Apotheker mit Nachdruck. In der Impfpause wird das Impfzimmer für andere Dienstleistungen, wie das Anmessen von Stützstrümpfen, verwendet. Denn das ist Voraussetzung in Deutschland, um überhaupt in der Apotheke impfen zu dürfen: Der Raum muss mit einer Liege ausgestattet sein. Nur ein Sitzbereich alleine ist zu wenig. Eine Auflage, an der viele Apotheken, die gerne impfen würden, scheitern. Denn häufig ist das designierte Beratungsräumchen eher eine „Beratungszelle“, in der gerade einmal Platz für zwei Personen und ein Blutdruckmessgerät, nicht aber eine zusätzliche Liege oder einen Stuhl mit Liegefunktion ist.

Zukunftsperspektiven: Impfen als Chance für die Apothekerschaft

Aktuell steht vermutlich einer der größten Umbrüche des Berufsbilds des Apothekers der letzten 100 Jahre an: Onlineversender drängen in den Markt und KI übernimmt Beratungsaufgaben. Um die zweifelsfrei wichtige Position der niedergelassenen Apotheke zu erhalten, ist es daher unumgänglich, neue Betätigungsfelder zu erschließen. Impfen wäre beziehungsweise ist dafür eine große Chance.

 

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